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Impuls zum 4. Fastensonntag

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ich weiß nicht, wie Sie auf diese Seite gekommen sind. Vielleicht sind Sie zufällig darauf gestoßen, weil Sie gerade im Internet gesurft haben. Vielleicht besuchen Sie auch regelmäßig die Seite unserer Pfarrei, um sich über das Leben in St. Christophorus zu informieren. Oder jemand hat Ihnen einen Tipp gegeben, der Sie neugierig gemacht hat. Wie auch immer: da wir aus den bekannten Gründen zurzeit keine Gottesdienste feiern und uns nicht in gewohnter Weise treffen können, werden Sie in den kommenden Wochen an dieser Stelle zu jedem Sonntag einen Impuls finden, der Sie zum Mitdenken und Nachfragen anregen soll. Auch auf diese Weise können wir die Verbindung untereinander in Zeiten von Quarantäne, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und angstmachenden Viren lebendig halten.

In der vergangenen Woche wurden wir immer wieder aufgefordert, unsere Kontakte einzuschränken und möglichst zuhause zu bleiben. Ausgerechnet da lesen wir im Evangelium dieses Sonntags von einer interessanten Begegnung. Jesus trifft einen blinden Mann. Und was tut er? Er spuckt auf die Erde. Dann macht er mit dem Speichel einen Teig und streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Dann sagt er zu ihm: „Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!“Der Mann geht fort und wäscht sich. Und als er zurückkommt, kann er sehen.

(Bild Pixabay)

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Etwas fehlt im Umgang Jesu mit diesem blinden Mann. Es fehlt die Frage, was dieser Mann eigentlich für sich wünscht. Ohne zu fragen handelt Jesus an dem scheinbar Hilfsbedürftigen. Ich finde dieses Verhalten ziemlich respektlos. Denn nur wenn ich frage, bevor ich helfe, zolle ich dem Hilfsbedürftigen meinen nötigen Respekt. Ich begegne ihm auf Augenhöhe, nehme ihn als Subjekt wahr. Und reduziere ihn nicht auf seine Hilfsbedürftigkeit. Wie verletzend eine solche Haltung sein kann, die auch in kirchlichen Kreisen immer wieder vorkommt, zeigt die Fürbitte eines spastisch gelähmten Rollstuhlfahrers. Sie lautet: „Gott, schütze die Spastiker, die Blinden, die Verwirrten – Gott, schütze sie alle – vor den Kirchen!“

Liebe Leserinnen und Leser, in einer Gemeinschaft, in der Menschen zu Objekten degradiert werden, kann die heilende Kraft Gottes nicht erlebbar werden. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es um Menschen geht, die wenig Geld haben oder die mit einer Behinderung leben müssen. Menschen wollen nicht behandelt werden; Menschen wollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit anderen gemeinsam handeln. Zum Glück haben wir in diesem Punkt in den letzten Jahren einiges dazugelernt. Ein gutes Beispiel ist die UN-Behindertenkonvention. Diese fordert die volle Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen für Menschen mit einer Behinderung.

 Vielleicht würde heute diese Geschichte auch ganz anders in der Bibel stehen. Etwa so:

„Jesus sah unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus setzte sich neben ihn und fragte ihn: „Wie lebst du mit deiner Krankheit, und der Mann fing an zu erzählen. Wie gern er mit seinen Eltern zusammenlebt, die ihm von Anfang an gelehrt haben, ein selbstständiges Leben zu leben. Nur die Nachbarn im Dorf redeten über ihn und seine Eltern. Außer seinen Eltern war niemand bereit, ihm zu helfen. Auch einen Beruf konnte er nie erlernen. So blieb ihm nur die Bettelei. Jesus hörte ihm lange zu. Dann fragte er ihn: „Und was kann ich dir tun?“ Und der Blinde antwortete: „Steh auf, geh zu den Menschen und erzähle, was ich dir über mein Leben berichtet habe. Und Jesus stand auf, ging zu den Menschen und erzählte. Und viele Menschen wurden sehend.

Dass auch Sie in Ihrem Leben immer den nötigen Durchblick behalten, das wünscht Ihnen

Ihr Pastor Burkhard Pepping